YVA-BOGEN
FUNKTIONAL TOTAL

Erfahrungsaustausch

Von der Rückseite zur Multi-Infrastruktur

Der an der Rückseite des Bahnhofs Zoologischer Garten verlaufende Yva-Bogen befand sich lange im Windschatten der Veränderungs- und Aufwertungsprozesse der City-West. Das Gebiet rund um den Bahnhof Zoo und den Hardenbergplatz hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einem hochfrequentierten Einkaufs- und Geschäftsviertel entwickelt. Dagegen zeigt sich der Yva-Bogen als unscheinbarer Durchgangsraum und Antithese zu den lauten und kommerzialisierten öffentlichen Räumen. Gegenüber den sauberen und repräsentativen Vorderseiten ist der Yva-Bogen maßgeblich von der Rückseite des Großsupermarktes Ulrich mit Anlieferungszone, Lüftungsauslässen und blinden Fenstern geprägt.

Mit dem kürzlich fertiggestellten Bau eines Hotelgebäudes, der Ansiedlung des Programmkinos Delphi Lux sowie der Galerie C/O in unmittelbarer Nähe ist der Yva-Bogen nun ins Bewusstsein gerückt. Aus diesem Grund wurde vom Regionalmanagement City-West in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Film, Fotografie und Theater ein Werkstattverfahren zur zukünftigen Entwicklung des Yva-Bogens durchgeführt. Ziel war es, Ideen zu entwickeln, wie der Durchgangsort zu einem attraktiven städtischen Raum mit neuer Aufenthaltsqualität und verbindenden Element der umliegenden Kulturinstitutionen werden kann.

In dem funktionalen und atmosphärischen Nischendasein des Yva-Bogens sieht Urban Catalyst besondere Qualitäten, die zum Ausgangspunkt eines behutsamen und dynamischen Umgestaltungskonzepts werden. So wird die 130 Meter lange Wand zur Projektionsfläche für vielfältigste Alltagsdienstleistungen und niederschwelligen Aneignungsmöglichkeiten ohne ihre Funktion als Anlieferungszone infrage zu stellen.

Das Transformationskonzept besteht aus vier Ebenen:

In einem ersten Schritt wird die Wand mit einer einfachen Umgestaltung und öffentlichen Infrastrukturen versehen. Die Einfärbung der Wand und die Anbringung eines durchgehenden Lichtbandes verstärkt die lange Objekthafte Wirkung der Wand. Öffentliche WC-Anlagen, Sitzbänke, W-Lan-Spots, USB-Plugs, Mülleimer und Fahrradstellplätze werden in die Wand installiert und bilden die Basisinfrastruktur.

Die zweite Ebene besteht aus großen digital bespielbaren Displays, die von den umliegenden Kultur- und Bildungsinstitutionen kuratiert werden können und so temporär zu öffentlichen Ausstellung, Programmankündigungen oder als Orientierungssystem dienen kann.

Die dritte Ebene bietet Raum für „lokale Claims“ – beispielsweise für einen ausgelagerten Ticketshop des Delphi Lux oder ein „Shop-and-Stop-Angebot“ als Erweiterung des Ulrich Supermarkts.

Die vierte Ebene schafft Angebote an unterschiedlichste Zielgruppen: Photoautomaten, Altkleidercontainer und Tauschboxen oder wird zum Experimentierfeld für neue urbane Dienstleistungen.

Info

Ideenwerkstatt

ORT
Berlin, City-West
Auftraggeber Regional Management City-West in cooperation with the Netzwerk Film, Fotografie und Theater
ProjektTEAM Anna Bernegg, Theresa Kalmer, Becky Katz, Philip Schlaeger, Tilmann Teske
Zeitraum 2018